IG Klettern Frankenjura, Fichtelgebirge und Bayerischer Wald

Bild 1: Das Bohrloch Bild 1:
Das Bohrloch

Bild 2: Ausbruch mit Haken Bild 2:
Ausbruch mit Haken

Abbildung 1: Skizze falsche Positionierung Abbildung 1:
Skizze: Haken im Fels, falsche Positionierung

Abbildung 2: Skizze Ausbruch Biegungskeil Abbildung 2:
Skizze: Ausbruch Biegungskeil

Abbildung 3: Skizze richtige Positionierung Abbildung 3:
Skizze: richtige Positionierung

Ein ausgebrochener Verbund- / Bühlerhaken

- auch nach Sturzbelastung - ist bei uns in der Fränkischen Schweiz eine ausgesprochene Seltenheit. Daher waren wir richtig neugierig, als wir über die Osterfeiertage informiert wurden, dass am Wüstenstein ein Verbundhaken nach Sturzbelastung ausgebrochen war. Der betroffene Kletterer erklärte sich erfreulicherweise bereit, an einem Lokaltermin mitzuwirken, und stellte uns auch das sichergestellte Fels- und Hakenmaterial zur Verfügung.

Was war passiert? Ein Kletterer, der die Route "Nosegrind" projektiert hatte, stürzte zum wiederholten Male in der Schlüsselstelle in den insgesamt 5. Haken der Route. Während bei den vorangegangenen Versuchen der Haken der Sturzbelastung Stand gehalten hatte, kam es an jenem Tag zu einem Ausbruch des Hakens. Aus einem kleinen Sturz wurde ein weiterer Abgang, der - Gott sei Dank - noch deutlich vor dem Boden endete. Der gezogene Haken hing samt Expressschlinge unbeschädigt im Seil. Das bei dem Sturz ausgebrochene Felsstück, etwa Handteller groß, verletzte die sichernde Person leicht am Unterarm. Mehr ist erfreulicher Weise nicht passiert.

Schon die Schilderung des Unfallhergangs und die erste Inspektion des ausgebrochenen Felsstücks ließen vermuten, dass der Haken fehlerhaft gesetzt war. Die Beobachtungen vor Ort bestätigten dies.

Der Haken war in sehr steilem Gelände, nicht - wie erforderlich - senkrecht zur Felsoberfläche, sondern im spitzen Winkel zum Fels gesetzt worden (Bild 1). Zudem war der Haken zu nahe an einer Gefügestörung im Fels platziert. Er war im Abstand von ca. 10 cm zu einem in einen Riss geschlagenen Normalhaken gebohrt worden. An der Stelle der maximalen Belastung stützte sich der Haken an einer nur wenige Millimeter starken Felsschicht ab (Bild 2, Abbildung 1). Selbst unter dem Ende des Hakenschafts war die Felsschicht nur einige Zentimeter stark.
Obwohl das Verbundmittel gehalten hatte, kam es zum Ausbruch eines "Biegungskeils" (Abbildung 2, Bild 2).

Korrekt positioniert, das heißt senkrecht zur Felsoberfläche angebracht, weisen normgerechte Verbundhaken wie der in diesem Fall verwendete, mit einem geeignetem Verbundmittel in festen Fels gesetzt bei axialer Belastung eine Zugfestigkeit von 40 - 60 KN ( entsprechend 4-6 Tonnen) auf.

Werden Verbundhaken dagegen in überhängendem Gelände - wie oben (Abb.1) gezeigt - fehlerhaft angebracht, sinkt die Zugfestigkeit und Belastbarkeit dramatisch.

Nicht nur Expansionsbohrhaken, auch Verbundhaken müssen immer senkrecht zur Felsoberfläche gesetzt werden (Abbildung 3).

Mit den modernen, vom DAV-Sicherheitskreis getesteten Verbundmitteln ist dies auch in Überhängen und Dächern für den versierten Hakensetzer problemlos zu bewerkstelligen. Zu beachten ist ferner, dass der Abstand des Hakens zu Gefügestörungen im / am Fels (Risse, tiefere Löcher, Kanten usw.) mindestens 15 cm betragen muss. Selbstverständlich darf der Haken nur in festes, großflächig "gewachsenes" Gestein und nicht in morsche Blöcke oder Schuppen gesetzt werden. Nur dann erreichen Verbundhaken die mögliche Zugfestigkeit.

Übrigens: Der ausgebrochene Haken wurde selbstverständlich ersetzt.

Faustregeln: Bohrloch-Positionierung

  • Mindestabstand zu einer Gefügestörung
    (Kant, Riss, Loch): 15 cm
  • Massive, feste, großflächige Felsoberfläche,
    keine hohlen Schuppen, morsche Blöcke...
  • Bohrloch immer senkrecht zur Felsoberfläche

Sperrungen aktuell

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  • Oberrieder Turm im Lkr. Neumarkt - ab sofort gesperrt
  • Starenfels linker Wandteil gesperrt

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