IG-Klettern Frankenjura & Fichtelgebirge

Historisches - Die Geschichte des Bühlerhakens

1954, ein bereits damals nicht mehr ganz unbekannter und nicht mehr ganz junger fränkischer Kletterer, ist in der Ha-He-Verschneidung unterwegs. Wie damals durchaus üblich hat er den Seilschwanz im ersten Haken gefädelt, drückte sich mit den Füßen am Felsen hoch und versucht so den nächsten Haltepunkt zu erreichen Während er sich bemüht und streckt und herzhaft an dem rostigen Haken zerrt, befällt ihn plötzlich kaltes Grausen, "wenn der Haken jetzt kommt", denkt er, "dann flieg ich in hohem Bogen aus der Wand und lande mehr als unsanft auf den Blöcken am Wandfuß".

Der Kletterer hieß Oskar Bühler, er hat nicht nur dieses Abenteuer überlebt, sondern sich auch in der Folge Gedanken über die Möglichkeiten einer besseren Absicherung der Kletterrouten in seiner Felsheimat gemacht. Die Problemstellung war klar: die damals praktisch ausschließlich verwendeten Normalhaken hatten nur eine begrenzte Lebensdauer, sie rosteten je nach Material recht schnell und konnten vor allem auch nicht immer an optimaler Position angebracht werden, war man beim doch zur Befestigung auf Risse, Felslöcher oder andere Schwachpunkte des Gesteins angewiesen.

Rasch hatte Ossi Bühler die Lösung des Problems parat: Ein Loch von Hand bohren und den Haken mit Zement befestigen. Noch im gleichen Jahr (1954) wurde so der erste Haken von Ossi Bühler in der Fränkischen zementiert und zwar in besagter Route, wo noch heute der aufmerksame Kletterer neben dem jetzt steckenden Bühlerhaken die Reste des einzementierten Relikts bewundern kann. Den Rost im "Nacken" dachte Ossi Bühler aber weiter und entwickelte zunächst einen Ringhaken aus rostfreiem Material, einzelne Haken dieses Typs sind noch ohne größere Verschleißerscheinungen in klassischen Wegen z.B. im Pegnitztal zu finden.

Gemeinsam mit Sticht und Messner (nicht der Reinhold) wurde dann der klassische Bühlerhaken entwickelt, der erstmals am Albrecht-Dürer-Fels in der klassischen Talseite im Jahr 1960 zum Einsatz kam.

In seinem langen Bergsteigerleben hat allein Ossi Bühler in der Fränkischen weit über 2000 Silberlinge gesetzt, die Mehrzahl davon ohne den Einsatz von einer Akkubohrmaschine, denn so etwas gab es früher nicht. Eine heute fast nicht vorstellbare Arbeit, denn das Bohren eines "Bühlerlochs" von Hand dauerte je nach Gesteinsqualität etwa 45 min. In einer Arbeitsanleitung aus dem Bühlerführer (3. Auflage, 1973) ist der Vorgang wie folgt beschrieben:

"Das Bohrloch ist 10cm tief und hat 20mm Durchmesser ...

... Bohrer: Kronenbohrer Marke 'Dickkopf', 20mm Durchmesser, Länge 30 und 40 cm. Viele leichtere Schläge sind besser als wenige schwere Schläge ...

... Den Meisel nach 2-3 Schlägen drehen, nach 30-50 Schlägen herausnehmen und säubern."

(Anm. d. Autors: der Hinweis mit den leichten Schlägen war absolut überflüssig, diese wurden mit der Zeit von selbst immer schwächer ...)

Der Bühlerhaken war lange durch ein Patent geschützt, ohne jedoch seinem Erfinder jemals zu größeren Reichtümern verholfen zu haben. Die Haken wurden und werden in ihrer Originalform noch immer in Handarbeit hergestellt und auch das Abtreten des Patents an die Firma Salewa vor einigen Jahren hat daran nichts geändert.

Anfangs war der Bühlerhaken und Ossis Treiben nicht unumstritten. In manch einer älteren Publikation bzw. Chronik wurde voller "Stolz" von Erstbegehern auf "Bühlerfreie" Felsen respektive Routen hingewiesen und manch ein Bühlerhaken wurde anfangs umgeschlagen. Diese Diskussion ist mittlerweile kein Thema mehr. Rasch hatten sich die Gemüter beruhigt. Das Haken- bzw. Befestigungsprinzip, von Ossi Bühler vor annähernd 50 Jahren erfunden, hat ohne Zweifel die Absicherungstechnik im Klettersport revolutioniert. Auch die moderne "Klebetechnik" funktioniert nach dem Bühlerschen Prinzip und die Mehrzahl der heute im Handel befindlichen Klebebohrhaken sind nichts anderes als modifizierte Bühlerhaken. So gesehen hat Ossi Bühler den Klettersport mehr revolutioniert als manch eine sportliche Größe!

Dank Euch, Ossi & Anneliese!


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