IG-Klettern Frankenjura & Fichtelgebirge

Sicheres Umlenken und Toprope-Klettern

Spätestens seitdem mit diversen Kletterkonzepten im Frankenjura ein behördlich verordnetes Ausstiegsverbot eingeführt wurde hat sich auch in unseren Breiten das "Umlenken" am letzten Haken einer Route durchgesetzt. Mit dem nicht zu übersehendem Wunsch einer großen Zahl von Kletterern nach möglichst stressfreier Ausübung ihres Sports hat in den letzten Jahren zudem das Topropeklettern zunehmend an Popularität gewonnen. Obwohl Topropeklettern wie auch Umlenken gemessen an einer Vorstiegsbegehung bzw. Abseilen im klassischen Sinn als vermeintlich "sicherere" Techniken bezeichnet werden können sind in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von meist schweren Unfällen mit häufig tödlichem Ausgang bei Anwendung dieser Praktiken passiert. Meist waren es persönliche Fehler die zu diesen tragischen Unfällen geführt haben, etwa fehlende Kommunikation mit dem Sicherungspartner beim Ablassen, Verwendung zu kurzer Seile ohne entsprechende zusätzliche Sicherungsmaßnahmen, fehlerhaftes (unvollständiges) Einbinden, falscher oder fahrlässiger / fehlerhafter Umgang mit / an entsprechendem Hakenmaterial (Umlenkhaken). Da praktisch alle Unfälle durch adäquates Verhalten vermeidbar gewesen wären nachfolgend einige Tipps zum sicheren Umlenken / Topropeklettern:


 
  1. Vor dem Klettern:
    • Ist das verwendete Seil zu Umlenken/Topropeklettern lang genug? Nicht alle Höhenangaben in Kletterführern sind korrekt,
      ==> freies Seilende immer mit einem Sicherungsknoten versehen oder fixieren, so kann unbeabsichtigtes "Durchrutschen" des Seils durch die Sicherung vermieden werden.
    • Auch beim Topropeklettern möglichst immer mit einem geeigneten Knoten direkt ins Seil einbinden. Sollte beim Topropeklettern ausnahmsweise das Seil mit Karabinern am Klettergurt befestigt werden, immer zwei Karabiner mit Verschlusssicherung einhängen
      ==> Redundanz! Darauf achten, dass das Seil an der dafür vorgesehenen Stelle am Gurt befestigt ist (nicht Materialschlaufe!). (vgl. Bild 1)
    • Vor dem Losklettern ein letzter Sicherheitscheck: Ist der Klettergurt korrekt geschlossen? Ist das Seil an der dafür vorgesehenen Stelle befestigt? Ist der Knoten korrekt und vollständig geknüpft?
    • Ist die Partnersicherung richtig eingelegt?
  2. Umlenken / Einrichten des Toprope
    • Nur an sicheren Haltepunkten(==> 2 Bohrhaken oder 1 Sicherheits- / Klebehaken) Umlenken / Topropen! Kein Umlenken / Topropen an einzelnen Expansionsbohrhaken auch moderner Machart (Longlifehaken / Durchsteckanker, vgl. Bohrhakenskript)! (vgl. Bild 2 )
    • Nie an Sanduhren und Normalhaken Umlenken / Topropen, die Qualität derartiger Umlenkpunkte ist nie hinreichend zu beurteilen, meist ist die Haltekraft nicht ausreichend!
    • Nie an einem einzelnen Karabiner oder an einer einzelnen Umlenkvorrichtung mit Schnappverschluss Topropen, derartige Umlenkvorrichtungen beim Topropen immer zusätzlich absichern (am besten durch zusätzliche Karabiner mit Verschlusssicherung)! Ohne zusätzliche Absicherung derartige Umlenkpunkte nur zum vorsichtigen Ablassen verwenden - auch hier bleibt ein Restrisiko!(vgl. Bild 3 und Bild 4)
    • Generell Vorsicht bei belassenen Karabinern, insbesondere wenn es sich um "alte" ausrangierte Alukarabiner oder ominöse Befestigungskarabiner aus dem Baumarktregal handelt! Immer darauf achten, dass der Schnapper geschlossen ist!
    • Nie beim Umlenken / Topropen das Seil direkt durch eine Bandschlinge oder "hinter" eine Kette fädeln.(vgl Bild 6 u. Bild 7)
    • Umlenkpunkte (ohne zusätzliche Absicherung) nicht überklettern! Der Anseilpunkt sollte auch beim Einhängen des Seils in den Umlenkpunkt unter diesem liegen! Beim Topropen stellt der Umlenkpunkt oft die einzige Sicherung dar, ein Versagen derselben im Falle eines Sturzes hat entsprechende Konsequenzen, ein Grounder aus großer Höhe ist dann nicht zu vermeiden! Ein unbeabsichtigtes selbstständiges Aushängen des Seils ist selbst bei den modernen Umlenkvorrichtungen (Umlenkschnecken, vgl. Bild 5) beim Überklettern theoretisch möglich und hat bei herkömmlichen Karabinern mit Schnappverschluss schon zu zahlreichen Unfällen geführt. Wird ein Umlenkpunkt nicht überklettert, ist Gefahr eines selbstständigen Aushängens des Seils deutlich reduziert.
    • Prinzipiell sollte an einem Umlenkpunkt nur eine Seilschaft klettern! Warte bis die Route "frei" ist.
  3. Sicherung(-stechniken)
    • Die angewandten Sicherungstechniken müssen auch beim Topropeklettern beherrscht und korrekt eingesetzt werden, ein Umstand der vor allem bei weniger geübten Kletterern oft "übersehen" wird
    • Vermeide auch beim Topropen unnötig große Stürze. Kein unnötiges "Schlappseil" ausgeben!
    • Kletterpartner langsam und kontrolliert ablassen!
  4. Kommunikation mit dem Seil- / Sicherungspartner
    • Beobachte als Sicherungspartner die Aktionen deines Kletterpartners.
    • Gib beim Klettern deinem Sicherungspartner klare Anweisungen. Gib Bescheid bevor du dich in das Seil setzt. Versichere dich, dass du verstanden wurdest (aber bitte "umweltverträglich"!)
 
Bild 1:
Richtig einbinden und Karabiner-Doppelmoppel!
 

Bild 2:
Zum Topropen und Umlenken zu wenig:
Ein einzelner Expansionsbohrhaken mit einem belassenen Alukarabiner.
 

Bild 3:
Ein einzelner Karabiner ohne Verschlusssicherung ist zum Topropen zu wenig!
 

Bild 4:
Ausreichend: 2 gegenläufig eingehängte Expressschlingen sichern das Toprope.
 

Bild 5:
Umlenk-Schnecke, sollte ohne zusätzliche Absicherung nicht überklettert werden.
Daneben ein vom unsachgemäßen Topropen abgeschliffener Bühlerhaken
 

Bild 6:
Das geht schief: Bereits nach wenigen Metern Seildurchlauf schmort das Seil beim Ablassen / Topropen die Bandschlinge durch.
 

Bild 7:
Ebenfalls gefährlich: Das Seil ist lediglich über die Kette gelegt.
 

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